David Claerbout

02. Mai – 21. Juni 2014

Oil workers (from the Shell company of Nigeria) returning home from work, caught in torrential rain, 2013, 1-Kanal Video Projektion, HD Animation, Farbe, ohne Ton, Dauer: endlos
Oil workers (from the Shell company of Nigeria) returning home from work, caught in torrential rain, 2013, 1-Kanal Video Projektion, HD Animation, Farbe, ohne Ton, Dauer: endlos
  • Travel, 1996-2013, 1-Kanal Video, HD Animation, Farbe, Stereo Sound, 12 min
  • Highway Wreck, 2013, 1-Kanal Video, HD Animation, schwarz & weiß, ohne Ton, 35 min loop
  • Installationsansicht
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Die Johnen Galerie zeigt zum Gallery Weekend 2014 drei neue Arbeiten des belgischen Künstlers David Claerbout. 

Travel basiert auf einer Idee von 1996, doch standen dem Künstler erst jetzt die technischen Möglichkeiten zur Verfügung, um diese Arbeit zu realisieren. Die Videoarbeit basiert auf einer Komposition von Eric Breton von 1980. Es handelt sich um eine sehr frühe Realisierung von therapeutischer Musik, die Stress abbauen und den Schlaf befördern soll. Claerbout griff auf eines der plakativsten Motive zurück, welches mit Entspannung und Ruhe assoziiert wird, den Wald. Der völlig künstlichen Synthesizermusik entsprechen die mit großer Detailtreue künstlich am Computer erzeugten Naturimpressionen. Claerbout erschafft ein äußerst suggestives Environment, das den Besucher in eine unauflösbare Spannung zwischen Banalität, Hypnose und kritischer Selbstreflexion gefangen hält.

Oil workers basiert auf einem Foto aus dem Internet. Es zeigt Ölarbeiter in Afrika, die unter einer Brücke Zuflucht vor dem Regen suchen und sich in einem Zustand des Wartens befinden. Die Wasserfluten inspirierten Claerbout zu einem Bild, das sich vieldeutig zwischen einer sozialen Dokumentation, Warten und Schauen (womit die Ölarbeiter die Situation des Betrachters widerspiegeln) und malerischer Abstraktion bewegt. Das Motiv des Wartens markiert auch einen sehr zwiespältigen menschlichen Zustand. Es kann Langeweile, Frustration, Nachdenklichkeit und Gefühle von Freiheit hervorrufen. 

Auch Highway Wreck hat seinen Ursprung in einem Foto: Nachdem der Verkehr völlig zum Erliegen gekommen ist, verlassen die Menschen ihre Autos, um den Auslöser des Staus, einen Unfallwagen und die Rettungskräfte am Rande der Straße, zu betrachten, alle Aufmerksamkeit richtet sich auf den Notfall. Der Arbeit selbst liegt diese Dringlichkeit jedoch nicht zu Grunde, im Gegenteil bezieht sie sich auf eine über 70 Jahre alte Fotografie. Dennoch werden die Betrachter von dem Hier und Jetzt des Desasters angezogen und verharren, gleich Zuschauern in einem Kinofilm, in voyeuristischer Starre. Die Arbeit Highway Wreck ist ein Versuch, dieses Spektakel zu beruhigen.

David Claerbouts Arbeiten wurden u.a. im Tel Aviv Museum of Art (2012), im MoMA San Francisco (2011) und in der Pinakothek der Moderne, München (2010) gezeigt. David Claerbout (geb. 1969) lebt und arbeitet in Antwerpen und Berlin.