Jeff Wall : Authentication. Claus Jahnke, costume historian, examining a document pertaining to an item in his collection

13. September – 16. September 2012

Authentication. Claus Jahnke, costume historian, examining a document pertaining to an item in his collection, 2010, 68,5 x 85 cm - 25 x 33.5 in. (Detail), Ink-jet Print, Ausschnitt der vierteiligen Arbeit
Authentication. Claus Jahnke, costume historian, examining a document pertaining to an item in his collection, 2010, 68,5 x 85 cm - 25 x 33.5 in. (Detail), Ink-jet Print, Ausschnitt der vierteiligen Arbeit

Anlässlich der abc art berlin contemporary zeigt die Johnen Galerie Jeff Walls Authentication. Claus Jahnke, costume historian, examining a document pertaining to an item in his collection aus dem jüngsten Werkzyklus des kanadischen Künstlers. Diese Arbeit im Stil einer Dokumentation behandelt ein schmerzvolles Thema auf mehreren Ebenen: Sie zeigt den Kostüm-Sammler Claus Jahnke aus Vancouver in seiner Wohnung, im Begriff die Echtheit eines Hemdes aus dem jüdischen Kaufhaus Nathan Israel anhand eines alten Kataloges zu überprüfen. Es wird hier an die Geschichte des großen Kaufhauses Nathan Israel in Berlin erinnert, gleichzeitig liegt hier der Schlüssel zum Schicksal der Familie Israel. Ihr schillerndstes Mitglied war Wilfrid Israel, der Christopher Isherwood die Inspiration zu einer zentralen Figur in Goodbye to Berlin lieferte und vor allem mit seinem Einsatz für Kindertransporte viele Leben rettete. 
Das Cover des Nathan-Israel-Kataloges der Wintersaison 1932 zeigt Leni Riefenstahl als Modell in alpiner Sportkleidung. Dem Betrachter eröffnet sich eine komplexe Verkettung von Bezügen und Fragen. 
Doch nicht nur an das Kaufhaus N. Israel wird in semi-dokumentarischen Bildern erinnert, sondern auch die von den Nazis zu verantwortende Zerstörung der Modeindustrie im Berlin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird thematisiert (siehe dazu auch Broken Threads, Hrsg. Roberta S. Kremer, 2007). Berlin war Anfang der 1930er Jahre Zentrum der Konfektionsmode. Doch wurden diese vornehmlich von jüdischen Familien geführten Häuser während des Nazi-Regimes fast vollständig ausgelöscht. 
Damit verbunden sind auch die Geschichten der Kleider, Schuhe und anderen Accessoires, die auf der Flucht mitgenommen und in alle Welt zerstreut wurden, um schließlich in der Sammlung von Claus Jahnke ihre Heimat zu finden. Jahnke bemüht sich, das Leben der Besitzerinnen, ihre Kleidung und deren Herkunft zu recherchieren und dem Vergessen zu entreißen. Jeff Wall entfaltet mit seinem vierteiligen Zyklus ein ganzes Panorama einer untergegangenen Kultur und bringt diese somit wieder in unser Bewusstsein zurück.

Die Johnen Galerie zeigt exklusiv auf der abc art berlin contemporary auch einige Highlights aus der Sammlung von Claus Jahnke in Verbindung mit der Arbeit von Jeff Wall.



Jeff Wall wurde 1946 in Vancouver, Kanada geboren. Von 1964 bis 1970 studierte er Kunstgeschichte und Bildende Kunst an der Universität von British Columbia, Vancouver. Seinen Studienabschluss als "Master of Arts" erhielt Jeff Wall 1970 in Kunstgeschichte.
Jeff Wall wurde mehrfach geehrt und erhielt unter anderem den Audain Prize for Lifetime Achievement in the Visual Arts (2008), den Roswitha Haftmann-Preis (2003) und den Erna and Victor Hasselblad Foundation International Award in Photography (2002). 

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt: Pinchuk Art Center (Kiew, 2012), Staatliche Kunstsammlungen (Dresden, 2010), Tamayo Museum, Mexico City und Vancouver Art Gallery (2008), San Francisco Museum of Modern Art (San Francisco, 2007), The Museum of Modern Art (New York, 2007), The Art Institute of Chicago (2007), Tate Modern (London, 2005), Schaulager (Basel, 2005), UCLA Hammer Museum (Los Angeles, 2003), Astrup Fearnley Museum, (Oslo, 2004), Hasselblad Center (Göteborg, 2002), Museum für Moderne Kunst (Frankfurt, 2001), Kunstmuseum Wolfsburg (Wolfsburg, 2001), Whitechapel Gallery (London, 2001). Jeff Wall war Teilnehmer der der documenta X und XI.
Jeff Wall lebt und arbeitet in Vancouver.

Claus Jahnke wurde 1962 in Edmonton, Kanada geboren. Er studierte Mode-Vertrieb am John Casablanca College of Design in Vancouver, wo er in den frühen 1980er Jahren seinen Abschluss erwarb. Er spezialisiert sich in seinen Studien insbesondere auf die deutsche und österreichische Geschichte des Mode-Designs und besitzt derzeit die wichtigste Sammlung historischer Mode außerhalb Europas. Seine Sammlung umfasst Männer-, Frauen- und Kinderbekleidung von 1720 bis 1960, weshalb er von zahlreichen Historikern und Wissenschaftlern aus Nordamerika und Europa konsultiert wird.
 Eine der nennenswertesten Ausstellungen der Sammlung war Broken Threads, die vom Vancouver Holocaust Education Centre ausgrichtet wurde und Kleidungsstücke der jüdischen Vorkriegs-Bekleidungsindustrie aus Deutschland und Österreich zeigte.

Claus Jahnke hat sowohl seine historischen Artefakte als auch sein kuratorisches Wissen in verschiedenen Museen eingebracht, insbesondere im Museum von Vancouver, dem Royal Ontario Museum in Toronto sowie dem Fashion Institute of Technology in New York.
Jahnke lebt und arbeitet seit 1981 in Vancouver.