Jadwiga Maziarska: 1913 - 2003

01. März – 13. April 2013

Galerie 2

Jadwiga Maziarska, 1977/78, 50 x 50 cm - 19.7 x 19.7 in., Foto: Lothar Wolleh, ©: Oliver Wolleh
Jadwiga Maziarska, 1977/78, 50 x 50 cm - 19.7 x 19.7 in., Foto: Lothar Wolleh, ©: Oliver Wolleh
  • Untitled, 1983, 100 x 73 cm - 39.4 x 28.7 in., oil on canvas, courtesy: Galeria Zderzak, Krakow
  • Pulsujac znaki (Vibrating signs), 1987, 116 x 90 cm - 45.7 x 35.4 in., oil on canvas, courtesy: Galeria Zderzak, Krakow
  • Composition 1 (Heart), 1976, 56 x 56 cm - 22 x 22 in., acrylic on canvas
  • Untitled, 1985, 69 x 48,5 cm - 27.2 x 19.1 in., collage, paper
  • Untitled, 1985, 53,5 x 50 cm - 27.2 x 19.1 in., collage, paper
  • Untitled, 1985, 50 x 45 cm - 19.7 x 17.7 in., collage, paper
  • Untitled, 1948-50, 27,5 x 30 cm - 10.8 x 11.8 in. (ungerahmt), Collage, Papier
  • Spatial Form, 1984, 150 x 70 x 20 cm - 59 x 27.5 x 7.8 in., wood, iron
  • Untitled, 1955-70, each approx. 100 x 18 x 14 cm - 39 x 7.1 x 5.5 in.
  • Spatial Composition, 1962, 82 x 40 x 20 cm - 32.3 x 15.7 x 7.9 in., cardboard, wax, oil
  • Krystalizacja, 1958/70, 120 x 75 cm - 47.2 x 29.3 in., wax, mixed media
  • Spatial Form, 1979, 80,5 x 50,5 x 1,5 cm - 31.7 x 19.9 x 0.6 in., wood, iron
  • Transfert, 1980, 77 x 58 cm - 30.3 x 22.8 in., acrylic on canvas
  • Kondensacja i koncentracja, 1974, 41 x 91 cm - 16.1 x 35.8 in., oil on canvas
  • Elements of Jadwiga Maziarska's archive
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  • installation view
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Die Galerie ist sehr erfreut eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Wiebke Siem zu zeigen. Gleichzeitig wird die erste Einzelausstellung von Jadwiga Maziarska in Deutschland, kuratiert von Barbara Piwowarska, zu sehen sein.
Dieses Jahr wäre Jadwiga Maziarska 100 Jahre alt geworden. Dies ist ein würdiger Anlass, ihr hierzulande noch viel zu wenig bekanntes Werk vorzustellen. Nicht nur die familiären Bezüge zu Polen verbinden Wiebke Siem mit Jadwiga Maziarska. Beide Künstlerinnen verbindet auch eine große Wertschätzung des dunklen, theatralischen und politischen Werkes von Tadeusz Kantor. Bei Maziarska spürt man noch den Optimismus der Moderne, bei Wiebke Siem wird die Moderne bereits kritisch und ironisch hinterfragt. In den 1970er und 80er Jahren überschneidet sich das Schaffen beider Künstlerinnen und führt zu interessanten Gegenüberstellungen.


Jadwiga Maziarska (1913 – 2003) ruft etwas in Erinnerung und weist zugleich in die Zukunft. Vergleichbar mit der Entwicklung oder dem Abspulen eines Filmes entwickelt sie Szene für Szene - obwohl sie dabei mit Farbe, Wachs und Collagen arbeitet.
 Mit der ersten Einzelausstellung Maziarskas in Deutschland soll nun das Werk der Künstlerin auf repräsentative Weise vorgestellt werden: ihre künstlerische Entwicklung, die bedeutendsten Serien sowie die besonderen Techniken, die die Künstlerin zwischen den 1940er und 90er Jahren schuf. Das Werk umfasst realistische Abstraktionen (Malerei, Objekte, Skulptur), Collagen und Zeitungsausschnitte (Skizzen). Maziarska, die in den 40er Jahren mit ihren Textilapplikationen, und in den 50er Jahren mit Materialbildern und Wachsreliefs Bekanntheit erlangte, gehörte der linken, avantgardistischen Vorkriegsgeneration an und ist neben Alina Szapocznikow oder Erna Rosenstein eine der wichtigsten polnischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.
 Sie lebte in Krakau und gehörte zum engsten Zirkel Tadeusz Kantors mit dem sie die „zweite“ Krakauer Gruppe gründete. Maziarskas prozessuale Kunst und ihre polyphone Sprache, die sich aus dem fotografischen Ansatz ergab, reflektieren sowohl die Überzeugungen der vorkriegszeitlichen Avantgarde als auch die nachkriegszeitliche Neubewertung von Materialismus und Stofflichkeit an sich. Die ältesten Arbeiten der Ausstellung datieren zurück bis in die späten 1940er, frühen 50er Jahre – eine Periode, in die Maziarskas Teilnahme an der
I. Ausstellung Moderne Kunst in Krakau (1948) fiel, einer kommunistischen Künstlerformation der Vorkriegszeit, die versuchte den abstrakten Realismus dem aufkommenden sozialistischen Realismus der totalitären Ära entgegenzustellen. Maziarskas Interesse an der Vielfalt der Formen und ihre konsequente Verwendung (Dekonstruktion – Rekonstruktion) ihrer Zeitungsausschnitte mögen ihr Werk heute wie ein archivarisches Laboratorium oder ein Atlas des Imaginären erscheinen lassen.

Diese Ausstellung zeigt Arbeiten aus einem solchen Archiv ihrer künstlerischen Ansätze – die Beziehung zwischen Imagination, Erinnerung und Interpretation.
Kuratiert von Barbara Piwowarska.



Jadwiga Maziarska wurde 1913 in Sosnowiec (Schlesien, Polen) geboren, sie starb 2003 in der Nähe von Krakau im Alter von 90 Jahren. Sie studierte Jura und Sozialwissenschaften an der Stefan Batory University in Vilnius, und später zusammen mit Erna Rosenstein und Tadeusz Kantor am Institut der Akademie der Bildenden Künste Krakau (1934-39). 1957 war sie Gründungsmitglied der „zweiten“ Krakauer Gruppe und ging erstmalig nach Paris. Wiederholt besuchte sie Paris in den folgenden Jahren und arbeitete mit den Galerien Stadler und Louise Leiris zusammen. Die Künstlerin stellte in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen aus, unter anderem in der Zachęta Gallery in Warschau, in der Galeria Krzysztofory und im Nationalmuseum in Krakau. 1969 nahm sie in der Sektion “métaphysique de la matière-espace” (mit Fontana, Pollock and Wols) an der Ausstellung Espaces abstraits teil, die in der Galleria d’arte Cortina in Mailand stattfand und von Michel Tapié, der die Begriffe informel und art autre geprägt hat, kuratiert wurde. 
1991 widmete der Kunstpalast Krakau der Künstlerin eine Einzelausstellung. 2001 erhielt sie den Jan Cybis Preis. Die bisher größte Retrospektive nach ihrem Tode wurde 2009 im Zentrum für Zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski in Warschau gezeigt. 
2012 zeigte die Ausstellung Parallel Systems: Gego/ Maziarska/ Trockel die Arbeiten Maziarskas in der Art Stations Foundation, Posen