Yoshitomo Nara

16. September – 31. Oktober 2015

Spring Ephemeral, 2015, acrylic on canvas, 192 - 164 cm
									Photo: © Yoshitomo Nara
Spring Ephemeral, 2015, acrylic on canvas, 192 - 164 cm
Photo: © Yoshitomo Nara
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Die Johnen Galerie freut sich Yoshitomo Naras sechste Einzelausstellung mit der Galerie zu präsentieren. In der Ausstellung werden neue Gemälde auf Leinwand, Holz und Pappe sowie eine Reihe von Zeichnungen zu sehen sein. Seit 2008 ist es Naras erste Ausstellung in Deutschland.
Bekannt ist der Künstler vor allem für seine Bilder von Kindern mit großen Augen, die oft einen melancholischen, boshaften und/oder schelmischen Ausdruck haben und vor einem scheinbar einheitlichen Hintergrund zu sehen sind. Die Darstellungen sind weder realistisch noch gänzlich cartoon-artig gemalt. Trotz des trügerisch einfachen Spektrums charakteristischer Zeichen – ein überproportional großer Kopf, vereinfachte, oftmals sehr lange Arme, ein Gesicht mit riesigen Augen, ein recht kleiner Mund und eine angedeutete Stupsnase – erscheinen die Figuren als Individuen mit einer ausgeprägten Persönlichkeit (auch wenn diese schwer fassbar ist).
Naras Einflüsse sind weitreichend. Sie enthalten abgesehen von westlicher und japanischer Moderner Kunst, Bezüge zu Kinderbilderbüchern, Literatur, Grafiken, Plattenhüllen, Fotografie und Musik. Führend darunter sind Kinderbücher und Märchen aus Naras Jugend, sowohl Klassiker wie Hans Christian Andersen, die Gebrüder Grimm oder Fabeln von Aesop, wie auch japanische Märchen aus den 1940er- und 1950er-Jahren. Ein anderer prägender Einfluss für Naras Werk ist seine Faszination für Musik, vor allem Volksmusik, aber auch Rockmusik und Punk. Das Unprofessionelle, Rohe und Unpolierte, wie es die Punk-Bewegung hochhält, hat dauerhafte Spuren in seiner künstlerischen Praxis hinterlassen. In Bezügen auf Songtexte lassen sich immer wieder entsprechende Anschlüsse finden.
Während die Bildsprache manchmal mit biografischen Aspekten aus dem Leben des Künstlers in Verbindung gebracht wird – Nara wuchs im Nachkriegsjapan innerhalb der ersten Generation der sogenannten Schlüsselkinder auf – sind die einzelgängerischen Figuren als allegorische Darstellungen zu verstehen. Sie symbolisieren die Welt der kindlichen Psyche mit ihrer Einbildungskraft, Direktheit und Gefühlstiefe und rufen emotionale Reaktionen und meistens einen narrativen Subtext hervor.
Naras Werk durchzieht ein Glaube an die Allgemeingültigkeit von Populärkultur und der Wunsch danach eine neue, lebendige populäre Kunst zu schaffen – vergleichbar mit einer heutigen „Volkskunst“, die vom zeitgenössischen Leben inspiriert ist.
Darüber hinaus werden Naras Gemälde durch ihre reichhaltigen emotionalen Bezüge und ihr Format mit religiösen Bildern und Andachtsbildern verglichen.
In leuchtenden Farben und vielen Farbschichten gemalt, erscheinen die Werke in der Reproduktion trügerisch flach. Naras Gemälde entstehen im Dialog zwischen dem Maler und der Figur, seinem Sujet und dessen Untersuchung.

Yoshitomo Nara wurde 1959 in Hirosaki City, in der Aomori Präfektur geboren. Er schloss 1987 das Master Studium an der Aichi Prefectural University of Fine Arts and Music. 1988 zog er nach Deutschland um als Meisterschüler unter A.R. Penck an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren. Außerdem lebte und arbeitete er von 1994 – 2000 in Köln, und unterrichtete 1998 als Gastprofessor für drei Monate an der University of California, Los Angeles. Seit seiner Rückkehr nach Japan im Jahr 2000 lebte und arbeitete er zunächst in Tokyo, bevor er 2005 nach Tochigi zog.
Die wichtigsten Ausstellungen nach 2000 umfassen I DON’T MIND IF YOU FORGET ME. (Yokohama Museum of Art, 2001; tourte von 2001 bis 2002 durch fünf weitere Museen in Japan); Nothing Ever Happens (Museum of Contemporary Art Cleveland, 2003; tourte von 2003 bis 2005 durch fünf weitere Museen in den USA); From the Depth of My Drawer (Hara Museum of Contemporary Art, Tokyo, 2004; tourte von 2004 bis 2005 durch fünf weitere Museen in Japan und Korea); Yoshitomo Nara + graf A to Z (Yoshii Brick Brewhouse, Hirosaki, 2006); Moonlight Serenade (21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa, 2006); ceramic works (Tomio Koyama Gallery, Tokyo, 2010); Nobody’s Fool (Asia Society Museum, New York, 2010–11); a bit like you and me... (Yokohama Museum of Art, 2012; Aomori Museum of Art, 2012–13; Contemporary Art Museum, Kumamoto, 2013); The Little Little House in The Blue Woods (Towada Art Center, 2012). Life is Only One: Yoshitomo Nara, (Asia Society Hong Kong Center, Hong Kong, 2015)
Yoshitomo Nara veröffentlicht außerdem Fotoarbeiten, die seine täglichen kreativen Gepflogenheiten, Landschaften und Menschen einfangen. 
Foto Monografien: the good, the bad, the average...and unique (Little More, 2003); Yoshitomo Nara Photo Book, 2003-2013 (Kodansha, 2013)