Robert Sturm: Keramische Plastik 1969 - 1993

12. März – 16. April 2016

Robert Sturm: 
Plastik, 1972

									Courtesy of The Estate of Robert Sturm and Johnen Galerie, Berlin

									Photo: © Andrea Rossetti
Robert Sturm: 
Plastik, 1972

Courtesy of The Estate of Robert Sturm and Johnen Galerie, Berlin

Photo: © Andrea Rossetti
  • Exhibition view
  • Exhibition view
  • Exhibition view
  • Exhibition view
  • Exhibition view
  • Exhibition view
  • Exhibition view
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  • Plastik, 1972
											Stoneware
											22 x 18 x 14 cm
  • "Maskenkopf" Körperarchitektur, 1991
											Stoneware
											27 x 23 x 14 cm
  • Plastik, 1971
											Stoneware
											37 x 19 x 19 cm
  • Wellenform "Kaskade", 1983
											Stoneware
											36 x 33 x 19 cm
  • o.T.
											24,1 x 30,4 cm (unframed)
  • o.T.
											33,6 x 23,2 cm (unframed)

Die Johnen Galerie präsentiert mit Keramische Plastik 1969–1993 die erste Ausstellung von Werken Robert Sturms in der Galerie. Gezeigt werden Keramikarbeiten, Arbeiten auf Papier sowie Materialien aus seinem Archiv.
Mit dem Werk von Robert Sturm (1935–1994) erreichte die Keramik einen neuen Grad der Abstraktion. Der ursprünglich in Malerei und Bildhauerei ausgebildete Künstler konzentrierte sich etwa ab dem Jahr 1967 fast ausschließlich auf Keramikarbeiten. Zu dieser Zeit erlangte die Keramik infolge einer Wiederentdeckung der Bauhaus-Prinzipien, die eine Gleichwertigkeit von Kunst und Kunsthandwerken praktizierte, erneut Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der umfassende Bauhaus-Lehrplan, der das Lehren von Zeichnen, Malerei und technischem Zeichnen neben Töpfern, Textildesign und Fotografie vorsah, von Avantgarde-Institutionen wie dem Black Mountain College in North Carolina, aber auch von deutschen Kunstschulen übernommen. So lernte Robert Sturm ab 1956 an der Werkakademie in Kassel, die 1947 mit genau diesem Ansatz wiedereröffnet worden war. Die Keramik war ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans, und mit Robert Sturms Dozent Walter Popp hatte die Hochschule einen der einflussreichsten Lehrer vorzuweisen.
Sturm, der starke Wurzeln in der Grafik (wo er bereits früh Erfolge verzeichnete) und der Bildhauerei hatte, widmete sich ab Mitte der 1960er Jahre schwerpunktmäßig der Keramik. Angeregt durch avantgardistisches Experimentieren und die Ästhetik des abstrakten Expressionismus erhielt die keramische Plastik besonders in den 1960er Jahren eine stärkere Gewichtung: sowohl in Europa, wo Künstler wie Lucio Fontana und Joan Miró, als auch in den USA, wo Bildhauer wie Peter Voulkos und John Mason die medium-bezogenen Kategorien bereits in den 1950er Jahren zu durchbrechen begonnen hatten.
Sturms aus geometrischen Grundformen geschaffenen Keramikplastiken aus den 1960er und den frühen 1970er Jahren bedienen sich der Sprache der konstruktivistischen Abstraktion. Ihre formale Logik ist ebenso einfach wie komplex. So wirken etwa die Tonflächen, als würden sie in klarer Beziehung zueinander stehen. Bewegt sich der Betrachter jedoch um die Skulpturen herum, scheinen sich neue Linien und Formen herauszubilden. Gleichzeitig wirken Sturms Arbeiten nie zusammengesetzt, referenziell oder grafisch, sondern werden als Einheit wahrgenommen. Sie besitzen das, was der Kunsthistoriker Ulrich Gertz als „innere Monumentalität“ bezeichnete.
In den frühen 1980er Jahren befasste sich Sturm zunehmend mit dem, was er als schwierige politische Situation betrachtete und begann eine Reihe von Arbeiten von Masken und Torsi, die entsprechende Ängste thematisierten. In diesem Kontext sprach der Künstler von der Rolle, die das Fragment in seiner Arbeit spielt: „Wie ein roter Faden zieht sich die Auseinandersetzung mit dem Fragmentarischen durch alle Stationen [meines Schaffens]. Fragmentarisches kann Prinzip und Idee sein. Das Fragment gibt Spielraum im Denken und Fühlen des Betrachters. Das Fragment ist für mich ein Zeichen für die Gebrochenheit der Welt, in der wir leben.“ Diese späteren Anmerkungen verstärken den Eindruck einer stark empfundenen Identifizierung mit seiner Arbeit. Das Durchbrechen der Grenzen zwischen Kunst und Leben, ein Leitprinzip der historischen Avantgarden um Bauhaus und russischen Konstruktivismus, ist in Robert Sturms Werk deutlich zu spüren.

Robert Sturm, geboren 1935 in Bad Elster, studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, der Hochschule für Bildende Kunst beide in Frankfurt am Main und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel.
Auswahl Einzelausstellungen: Robert Sturm 1935-1994, Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart (1996), Robert Sturm, Keramion, Frechen (1993); Robert Sturm. Plastik. Grafik, Kunststation Kleinsassen, Hofbieber (1991); Robert Sturm: Keramik und Skulptur, Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, Oldenburg (1984); Robert Sturm – Gefäße, Plastiken, Reliefs, Museum für moderne Keramik, Deidesheim (1982); Robert Sturm, Keramikstudio, Wiesbaden (1974); Robert Sturm, Kunstkammer Köster, Mönchengladbach (1972).
Auswahl Gruppenausstellungen: Farbe und Form, Keramion, Frechen (1995); Deutsche Keramische Kunst der Gegenwart, Keramion, Frechen (1991); Zeitgenössische europäische Keramik, Plastik, Wandbilder, Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart (1990); Zeitgenössische keramische Plastik, Städtische Kunsthalle, Mannheim (1989); Europäische Keramik, Keramion, Frechen (1986); Keramik der Gegenwart, Schloß Herrenhausen, Hannover (1982); Experimentelle Form, Institut für neue technische Form, Darmstadt (1977); Deutsche Keramik 1971, Hetjens-Museum, Düsseldorf (1971); Kunstpreis junger Westen 1963, Kunsthalle, Recklinghausen (1963).

Robert Sturm ist 1994 in Fulda verstorben.