Martin Boyce : Martin Boyce, We are the Breeze

28. Oktober – 02. Dezember 2006

  • We Are The Breeze (Concrete Leaves), 2006, Messing, Metall (lackiert), Leuchtstoffröhre - brass, metal (lacquered), fluorescent lamp. 310 x 795 cm - 122 x 313 in..
  • We Are The Breeze (Concrete Leaves), 2006, Messing, Metall (lackiert), Leuchtstoffröhre - brass, metal (lacquered), fluorescent lamp. 310 x 795 cm - 122 x 313 in..
  • We Are The Breeze (Concrete Leaves), 2006, Messing, Metall (lackiert), Leuchtstoffröhre - brass, metal (lacquered), fluorescent lamp. 310 x 795 cm - 122 x 313 in..
  • We Are The Breeze (Electric Trees), 2006, Messing, Metall (lackiert), Leuchtstoffröhre - brass, metal (lacquered), fluorescent lamp. 325 x 545 cm - 128 x 214.5 in..
  • Telephone Booth (Then nothing disappears), 2006, Aluminium, Sprayfarbe, Leuchtstoffröhre - aluminium, spray paint, fluorescent lamp. 115 x 100 x 72 cm - 45.3 x 39.4 x 28.3 in..
  • Telephone Booth (Shapes and sounds and breath), 2006, Aluminium, pulverbeschichtet, Sprayfarbe - aluminium, powder-coated, spray paint. 115 x 100 x 72 cm - 45.3 x 39.4 x 28.3 in..
  • Ventilation Grills (Concrete Autumn), 2006, Messingabdeckungen - brass covers. 3-teilig je 25 x 45 cm - 3 parts; each 9.8 x 17.7 in.. Edition 3/5
  • We Pass Through This, 2006, Stahltor, Schwarz pulverbeschichtet -
											steel gate, powder coated. 220 x 150 x 50 cm - 86.6 x 59 x 19.7 in..
  • Ausstellungsansicht - exhibition view

In mehrfacher Hinsicht beispielhaft für die künstlerische Strategie Martin Boyces ist die Geschichte der im Film „Zabriskie Point“ (1970) eingeführten, spektakulären 50er Jahre Villa. Seiner Funktion im Film entsprechend symbolisiert das Haus mit wenigen charakteristischen Architekturelementen klar eine Zeit und die dazu gehörende kulturelle Gesinnung, welcher der Regisseur so eine Gestalt gibt und sich damit die Möglichkeit verschafft, diese Ideale zu zerschlagen. In der Schlüsselszene des Films zerlegt Antonioni durch eine Explosion dieses Symbol genüsslich in seine Einzelteile. Ähnlich entwirft Boyce seine Rauminstallationen. Insbesondere zitiert auch er die 50er Jahre als die Zeit des Übergangs, in der sich gegenüber einer kritiklosen, naiven Zukunftseuphorie, die sich zunächst noch in die Nachkriegszeit rettete, allmählich die Einsicht über das Scheitern der Utopien der Moderne durchsetzte.

Martin Boyce hingegen geht es nicht um eine Abrechnung. Er verwertet emblematische Entwürfe aus der Zeit, so genannte „Klassiker“, deren abgewetzte Originale er zerbricht und die Fragmente neu kombiniert oder von denen er aus ähnlichen, oft minderwertigen Materialien Kopien herstellt. Diesen Elementen gegenüber stellt er perfekt produzierte Zitate einzelner, isolierter Aspekte der Architektur- und Designsprache. Die rechteckige Glas-Vorhangfassade eines typischen Hochhauses beispielsweise erscheint dem Passanten als ein Raster aus vertikalen und diagonalen Linien. Dieses Motiv taucht bei Boyce, in geradezu barocker Verflechtung unterschiedlicher Zeichensysteme, in verschiedenen Variationen auf, so als Gitter seiner Zaun-Torarbeiten, als Perforation seiner Lüftungsgitter, als Grundmodul einer Wandmalerei, eines Schriftzuges oder als Rasterung von Papierkorb-Objekten, die wiederum direkt auf das Hochhaus zurück verweisen.

Für seine Ausstellung „We Are the Breeze“ konstruiert Boyce eine imaginäre Landschaft, den Archetyp eines desolaten Raumes zwischen Grünanlage und Lobby. In Anlehnung an die Filmkulisse sorgt Boyce im Zusammenspiel weniger, aber entscheidender Motive für gerade genügend Hinweise zu einem intuitiven Erkennen. Eines seiner Objekte, die Reminiszenz an eine Telefonzelle, taugt beispielhaft zu einer solchen lockeren Definition des öffentlichen Raumes. Zugleich ist sie, in Zeiten des privaten Mobiltelefons, Symbol für dessen Verschwinden. Wie ein wiederkehrender Geist, kondensiert aus dem kollektiven Gedächtnis, erwecken Boyces Zitate eher melancholische Erinnerungen, die an die Originale geknüpft sind, als dass sie als Kritik zu verstehen sind. Boyce hegt geteilte Gefühle gegenüber diesen urbanen Räumen. Ihn interessiert weniger das Scheitern der ihnen zugrunde liegenden Vorstellungen, als deren nach wie vor gültiges Potential und die Frage, wie nahe uns noch heute diese früheren Ideen und Ideale sind.