Robert Kuśmirowski: Square2

11. März – 16. April 2011

Galerie 2

Variation on a theme of Andy Warhol
									2011, variable dimensions
									mixed media installation i.a. machine, paper, wood, cans
Variation on a theme of Andy Warhol
2011, variable dimensions
mixed media installation i.a. machine, paper, wood, cans
  • Variation on a theme of Kasimir Malewitsch, 2011, variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden barrel, wooden wheelbarrow, wood, bitumen
  • Variation on a theme of Kasimir Malewitsch (detail), 2011, variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden barrel, wooden wheelbarrow, wood, bitumen
  • Variation on a theme of Roman Opalka (detail), 2011 variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden tabel, canvas, typesetting machine, paper
  • Variation on a theme of Roman Opalka (detail), 2011, variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden tabel, canvas, typesetting machine, paper
  • Variation on a theme of Roman Opalka (detail), 2011, variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden tabel, canvas, typesetting machine, paper
  • Variation on a theme of Jackson Pollock, 2011
											variable dimensions, mixed media installation
											i.a. carpet, bedframe, rack, canvas behind glas
  • Variation on a theme of Andy Warhol (detail), 2011
											variable dimensions
											mixed media installation, i.a. machine, paper, wood, cans
  • Variation on a theme of Andy Warhol (detail), 2011
											variable dimensions
											mixed media installation, i.a. machine, paper, wood, cans
  • Variation on a theme of Andy Warhol (detail), 2011
											variable dimensions
											mixed media installation, i.a. machine, paper, wood, cans
  • Variation on a theme of Andy Warhol (detail), 2011
											variable dimensions
											mixed media installation, i.a. machine, paper, wood, cans
  • Variation on a theme of Jackson Pollock (detail), 2011
											avariable dimensions, mixed media installation, i.a. carpet, bedframe, rack, canvas behind glas
  • Variation on a theme of Roman Opalka, 2011
											variable dimensions, mixed media installation, i.a. wooden tabel, canvas, typesetting machine, paper

Die Johnen Galerie freut sich über ihre dritte Solo-Ausstellung des polnischen Künstlers Robert Kusmirowski. Sein Œuvre zeichnet sich dadurch aus, dass historische Artefakte und Schauplätze durch seine Hand akribisch rekonstruiert werden, um Themen und Phänomene der Geschichte zu untersuchen, aber auch zu manipulieren. Indem Kusmirowski alte, archaische Techniken und Gerätschaften rekonstruiert und zum Einsatz bringt, schafft er es seinen Exponaten und Ausstellungen die Materialität und Aura einer vergangenen Zeit zu verleihen.

Kusmirowski verfolgt in der Ausstellung mit dem Titel Quadrat2 das Ziel Phänomene der Kunst zutage zu fördern, die als Aspekte des Schaffensprozesses für gewöhnlich unsichtbar und verdeckt bleiben, da sie als kaum fassbare Momente des künstlerischen Schaffensprozesses vor der Entscheidung für Form und Konzept eines Kunstwerks in Erscheinung treten. Quadrat2 bietet eine mögliche Re-Produktion dieser Grundsatzideen an. Die ausgestellten Arbeiten können daher auch als ‚Prototypen’ gesehen werden, bevor das Werk ‚in Produktion’ gegangen ist.

Kusmirowski beginnt seinen Exkurs mit Andy Warhols berühmten Campbell’s Soup Cans, ausgehend vom viereckigen Etikett in Warhols Originalgemälde, über das er den Betrachter zum grundlegend verschieden positionierten Quadrat von Kasimir Malewitsch hinführt. Malewitschs Schwarzes Quadrat ist das Initialwerk des Suprematismus, der sich als Stilrichtung durch strenge Kompositionen, bestehend aus Quadraten, Rechtecken, Kreisen, Geraden und Kreuzformen, auszeichnet. Die erste und wichtigste Komposition blieb das Schwarze Quadrat auf weißem Grund, das Malewitsch selbst einmal als ‚Atom der Malerei’ bezeichnet hat. Getreu der Überzeugung, dass dieses die Essenz der Form darstellt, brachte er den Suprematismus schließlich mit einem weißen Quadrat auf weißem Grund zum Abschluss. Der Suprematismus setzte sich zum Ziel, die Kunst vollständig von der Realität zu trennen und auf die einfachsten Formen zu reduzieren und nicht zuletzt mit jeglicher narrativen und figurativen Aspiration zu brechen.

Kusmirowskis Quadrat2 verfolgt demgegenüber eine Kehrtwendung:  Sein schwarzes Quadrat präsentiert sich als eine physische Manifestation, quasi eine haptische Entsprechung des kaum greifbaren, delikaten Originals. Die Ausstellung zeigt Spuren intensiver, körperlicher Arbeit, ähnlich der schweißtreibenden Aktivität von teerenden Straßenarbeitern. Der Aspekt der Pein des Künstlers, der bei Malewitsch absichtlich dem Betrachter vorenthalten bleibt, wird bei Kusmirowski hingegen potenziert, im Quadrat, gezeigt: Quadrat2 kehrt den Wahrnehmungsprozess um und bringt Malewitschs  aufreibenden intellektuellen Arbeitsablauf in eine angemessene Form der Schwere und Ernsthaftigkeit.

Der Weg von Warhol über Malewitsch führt Kusmirowski zu einer weiteren herausragenden Position der Moderne: Jackson Pollocks körperlich anstrengende action paintings, für die nass tropfende Farben direkt aus dem Eimer mit rhythmischen Bewegungen auf die rechteckige, am Boden befindliche Leinwand gespritzt wurden, führen Kusmirowskis Konzept weiter, um schließlich mit den unzähligen, dicht gemalten, weißen Zahlenreihen des polnisch-französischen Künstlers Roman Opalka als zeitgenössische Stellungnahme zu beschließen. Opalka, der ursprünglich auf schwarzem Hintergrund arbeitete, hellte über viele Jahre die Palette zunehmend auf, bis er über grau zu weißen Ziffern auf weißem Grund gelangte. Während Opalka darauf abzielt das Verstreichen der Zeit zum Ausdruck zu bringen, unterstreicht Kusmirowskis Version die morphologische Nähe zu Malewitsch und dem Suprematismus insgesamt.

Robert Kusmirowski  wurde 1973 in Lodz, Polen, geboren. Er studierte Bildhauerei an der Marie-Curie-Sklodowska Universität in Lublin und an der Universität von Rennes, Frankreich. Der Künstler wurde durch zahlreiche internationale Ausstellungen geehrt, u. a. Einzelausstellungen im Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Warschau; Kunstverein Hamburg; Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven; Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich; Bunkier Sztuki, Krakau; Barbican Art Gallery, London und Galleria Civica, Trento.