Candida Höfer : Candida Höfer

26. Januar – 15. März 2008

  • Goethe-Theater, Bad Lauchstädt I 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. 200 x 270 cm - 78.7 x 106.3 in.. Edition 2/6 + 3 A.P.
  • Goethe-Theater, Bad Lauchstädt III 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. Edition 2 von 6.  200 x 257 cm - 78.7 x 101.2 in.. Edition 2/6 + 3 A.P.
  • Neues Museum Weimar II 2006, 2006, C-print, gerahmt - framed.  200 x 260 cm - 78.7 x 102.4 in.. Edition 2/6 + 3 A.P.
  • Goethe-Nationalmuseum Weimar II 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. Edition 6 von 6.  200 x 250 cm - 78.7 x 98.4 in.. Edition 6 + 3 A..P.
  • Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar XII 2004, 2004, C-Print, gerahmt - framed. Edition 3 von 6. 180 x 220 cm - 70.1 x 86.6 in.. Edition 6 + 3 A.P.
  • Goethe-Nationalmuseum Weimar VI 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. Edition 2 von 6.  200 x 200 cm - 78.7 x 78.7 in..Edition 6 + 3 A.P.
  • Residenzschloss Weimar V 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. Edition 2 von 6. 253 x 200 cm - 99.6 x 78.7 in..Edition 2/6 + 3 A.P.
  • Wittumspalais Weimar I 2006, 2006, C-Print, gerahmt - framed. Edition 3 von 6. 146 x 120 cm - 57.5 x 47.2 in..Edition 6 + 3 A.P.

Bei genauer Betrachtung erzählt jeder Raum die Geschichte seiner Nutzung und deren Wandel im Laufe seiner Existenz. Diesem Thema hat Candida Höfer sich vom Beginn ihrer Karriere an gewidmet. Seit über 30 Jahren fotografiert sie mit entschiedener Beharrlichkeit öffentliche und halböffentliche Innenräume. Das besondere Interesse Höfers gilt hier Orten der Begegnung, des Austauschs, solchen der Weitergabe und Bewahrung von Kultur und Wissen. In ihren Fotos von Museen, Schlössern, Bibliotheken oder Archiven spürt sie den architektonischen Strategien nach, kulturelles Erinnern zu vermitteln. In unserer Gesellschaft herrscht ein Konsens über die Bewahrungs- und Präsentationswürdigkeit von Kulturgütern. Diesem Konsens liegt ein Geschichtsverständnis zu Grunde, welches Vergangenheit und Gegenwart als Einheit begreift. Historische Zeugnisse, bewahrte Relikte aus früheren Zeiten, entfalten heute ihre Wirkung und bereichern unsere Gegenwart. Höfers ausgesprochenes Interesse an Bibliotheken und Archiven lässt sich darauf zurückführen, dass solche Einrichtungen dieses Prinzip besonders deutlich spiegeln. Aber auch Museen oder Repräsentationssäle in Schlössern und anderen historischen Gebäuden sind Orte ohne eigene Zeit bzw. dem Gang der Zeit entrückte Enklaven, die gleichzeitig Spuren verschiedener Epochen zeigen und so der Vergangenheit einen Platz in der Gegenwart einräumen.

Candida Höfer zeigt die von ihr ausgewählten Räume mit analytischer Nüchternheit, ihre Raumansichten sind sachlich und frei von eigener Inszenierung, zumindest wenn man die betonte Distanz und das Fehlen aller störenden Nebeneinflüsse nicht als künstlerischen Eingriff werten möchte. Sehr oft folgen ihre klar konstruierten Fotografien einem streng zentralperspektivischen Aufbau. Die Struktur der Räume ist leicht erfassbar, die in ihnen platzierten Objekte treten deutlich hervor. Lakonisch nennen die Bildtitel den Namen der Institution, eine römische Ordnungsnummer und das Jahr der Aufnahme. Höfer benutzt meist eine schwere Plattenkamera, sie arbeitet mit dem vorgefundenen Tages- und Kunstlicht, was sehr lange Belichtungszeiten erfordert; so entstehen ihre äußerst tiefenscharfen Großfotos. Detailreich lassen sich formale Aspekte der Einrichtung und spezielle Eigenheiten des jeweiligen Ortes ablesen, Veränderungen und Brüche sind sichtbar. Durch das Arbeiten in Serien umfasst das Werk Höfers Fotografien verschiedenster Orte gleicher Funktion und Zweckbestimmung. Dies stellt die Einzigartigkeit, die individuelle Atmosphäre jedes Raumes heraus, gleichzeitig zeichnen sich aber auch Ordnungsprinzipien und wiederkehrende Strukturen der Räume gleicher Nutzung ab. An Höfers gewissermaßen bereinigten, von Wertungen oder Hierarchien freien Aufnahmen sind die den Räumen eigenen, bewussten oder unbewussten Inszenierungen, die offensichtlichen aber auch verborgenen Ordnungen ablesbar. Die Fotografien Höfers erlauben eine vergleichende Betrachtung auf unterschiedlichen inhaltlichen und formalen Ebenen.

Höfer kam zweimal nach Weimar, um dort zu arbeiten. Im Sommer 2004 fotografierte sie, nur wenige Wochen vor dessen Zerstörung durch einen verheerenden Brand, den berühmten Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Sommer 2006 wurde sie ein zweites Mal eingeladen, um weitere Räume in und um Weimar aufzunehmen. Die kulturelle Landschaft Weimars bietet Höfer viele Einrichtungen, die ihr künstlerisches Interesse spiegeln. Ihre Fotografien von diesen idealisierten „Klassiker“-Stätten, diesem kulturellen Ort ersten Ranges, scheinen sich durch ihre monumentale Größe und formal würdevolle Präsentation zunächst mit einem ihren Motiven immanenten, vorhandenen Anspruch zu decken. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Höfer, unbeeindruckt von der Geschichte und Bedeutung dieser Orte, nicht deren Selbstdarstellung zuarbeitet. Einen zielgerichteten Optimierungsanspruch, der für solche Zwecke nötig wäre, bedient sie nicht. Bei ihr wird nichts aufgeräumt, musealisiert, in Szene gesetzt, ihre Fotografien sind nicht repräsentativ gemeint. Höfers Raumportraits bewegen sich auf einer Stufe zwischen Dokumentation und Repräsentation, über die Erfassung eines Zustandes hinaus transportieren sie immer auch die Aura des Originals. Diese Position kennzeichnet die besondere Qualität der Arbeit Höfers als ganz eigenen Beitrag zur Findung einer gesellschaftsrelevanten Präsentationsform von Kulturgut.