Andrew Grassie : Fabrication

22. Januar – 27. Februar 2016

© Andrew Grassie, Fabrication: Handmade LA. With work by Charles Ray, 2015, tempera auf Papier auf Holzplatte
© Andrew Grassie, Fabrication: Handmade LA. With work by Charles Ray, 2015, tempera auf Papier auf Holzplatte
  • Fabrication: Handmade L.A. With Work By Charles Ray, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 13 x 19,4 cm (ungerahmt), 23,5 x 30,1 cm (gerahmt)
  • Fabrication: Hermann Noack, Berlin. With Work By Arie Van Selm And Christoph Kopac, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 13 x 19,6 cm (ungerahmt), 23,3 x 29,7 cm (gerahmt)
  • Fabrication, Sculpture and Design featuring work in progress by Martin Boyce, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 13 x 19,4 cm (ungerahmt), 25,5 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: MDM, Yinka Shonibare, 2014, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 12,2 x 19,8 cm (ungerahmt), 24 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: MDM - Michael Landy, 2014, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 12,2 x 19,45 cm (ungerahmt), 24 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: Barnacle Bros, L.A. With Work By Smilee B and A Hank Willis Thomas, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 13 x 19,5 cm (ungerahmt), 23,5 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: MDM London Workshop, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 13 x 19,6 cm (ungerahmt), 23,6 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: Standard Sculpture L.A. With Work By Jeff Koons, 2015, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 12,9 x 19,3 cm (ungerahmt), 23,6 x 30 cm (gerahmt)
  • Fabrication: Sculpture And Design, Glasgow. With Work By Martin Boyce In Studio 3, 2016, Tempera auf Papier auf Holzplatte, 12,9 x 19,4 cm (ungerahmt), 23,5 x 30,1 cm (gerahmt)
  • installation view
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Johnen Galerie freut sich Andrew Grassies zweite Einzelausstellung mit der Galerie zu präsentieren.
Die Ausstellung mit dem Titel Fabrication zeigt eine Serie von 9 Gemälden von 2014–2016, auf denen industrielle oder handwerkliche Werkstätten zu sehen sind, in denen Kunstwerke gefertigt werden. Während seine früheren Malereien Werke von anderen Künstlern in institutioneller Umgebung zeigten – in Räumen, die ihrem Wesen nach den Kunststatus garantieren – geht es in dieser Serie um eine Art Ursprungsgeschichte von Kunstwerken, die man in einem Kontext sieht, bevor sie sich von der undifferenzierten Materialmasse der Nicht-Kunst abheben. So sind die Arbeiten deren Fertigung gezeigt wird, teils von bekannten Künstlern wie Martin Boyce oder Charles Ray, in ihrem Umfeld nicht immer gleich zu erkennen.
Trotzdem, oder vielleicht gerade als direkte Konsequenz der minutiösen Details von Grassies Gemälden, ist es schwierig sich auf ein bestimmtes Detail zu konzentrieren. Dieser visuelle Effekt, der wie ein verbindender Filter über den Bildern liegt, verweist auf den Grundsatz von Andrew Grassies Vorgehen: den Ort (in diesem Fall: den Zeitpunkt) der Werkschöpfung zu fassen. Dabei geht es weniger um die Aspekte der Authentizität, die sich auf die Existenz von erkennbaren künstlerischen Stilen bezieht, als vielmehr um die Übersetzung einer Idee in Kunst. Zu welchem Zeitpunkt tritt das Kunstwerk in Erscheinung? Ab wann sind die Werke, die an diesen industriellen oder handwerklichen Orten hergestellt werden, eigenständige Kunstwerke?
Andrew Grassies Gemälde basieren auf Fotografien, die er selbst aufgenommen oder teilweise gefunden hat. Die Motive sind meist aufwendig inszeniert, wobei dieser Aufwand sich hinter einer unaufdringlichen, scheinbar bescheidenen Sachlichkeit verbirgt, die von den kleinen, präzise gemalten Arbeiten ausgeht. Der Künstler verwendet für seine Werke Eitempera, eine Technik, die zumeist vor der Entwicklung von Ölfarben praktiziert wurde und Assoziationen mit Tafelbildern aus der Zeit vor der Renaissance wachruft. Die Farbpigmente werden mit Eigelb gebunden und erzeugen schnell trocknende Farben, die verhältnismäßig durchscheinend sind. Um deckende, kräftige Farben zu erhalten, ist ein Farbauftrag aus zahlreichen Schichten notwendig.
Mit der Serie Fabrication stellt Grassie eine Analogie zwischen der Post-Studio-Praxis der Konzeptkunst und dem handwerklichen Werkstättensystem früherer Jahrhunderte her, zumal seine verwendete Maltechnik vorzugsweise in italienischen Werkstätten der  Frührenaissance ausgeübt wurde, wo der Meister Schüler um sich versammelte, die große Teile seines Schaffens vorbereiteten und häufig auch ausführten.
Oft besitzen Andrew Grassies Gemälde eine Stille, die ihre Thematik zu verschleiern vermag. Im Fall der neuen Serie passiert das ganz buchstäblich: der Lärm einer solchen Fabrikationsstätte scheint sichtlich abwesend. Die Bilder besitzen eine zeitlose Qualität, selbst wenn sie zugleich das Gefühl einer Handlung vermitteln, als wenn die Menschen die Orte nur vorübergehend verlassen hätten. In diesem Zusammenhang hat Grassie von einer „hermetischen Eigenschaft“ gesprochen, „die einfache Dinge mit einer geheimnisvollen Aura umgibt”, deren Effekt er mit einem Vakuum vergleicht, „als wenn die Wirklichkeit in Klarsichtfolie oder in eine dicke Luftschicht eingepackt wäre“.

Andrew Grassie ist 1966 in Edinburgh geboren. Sein Malereistudium absolvierte er an der St. Martin’s School und am Royal College of Art. Er lebt und arbeitet in London, wo er an der City and Guilds of London Art School unterrichtet. Lehraufträge hatte er an der Manchester School of Art, am Edinburgh College of Art, am Goldsmiths College of Art, der Chelsea School of Art, der Royal Academy School of Art, der Winchester School of Art, der Newcastle Art School und der Emily Carr Art School in Vancouver.
Zu seinen letzten Einzelausstellungen zählen: Andrew Grassie – Collected Works, Rennie Collection, Vancouver (2012) und Andrew Grassie: Painting as Document, Talbot Rice Gallery, University of Edinburgh (2008).
Ausgewählte Gruppenausstellungen umfassen: Return Journey, Mostyn, Llandudno (2014); Wundercamera, The Holden Gallery, Manchester (2014); Wundercamera, Pitzhanger Manor, Ealing, London (2013); Summer 2013: Collected Works, Rennie Collection, Vancouver (2013); Government Art Collection – Commissions: Now and Then, Whitechapel Gallery, London (2012) und The Story of the Government Art Collection, Whitechapel Gallery, London (2012).
Andrew Grassies Werk ist in der Tate Collection, London; der Rennie Collection, Vancouver; der Government Art Collection, London; der Sammlung Goetz, München und Zabludowicz Collection, London vertreten.