Ryan Gander : The Connectivity Suite

03. Juni – 27. August 2016

Portrait Of A Colour Blind Artist Obscured By Flowers, 2016, HD Video, Farbe, Stereo Sound - film still
Portrait Of A Colour Blind Artist Obscured By Flowers, 2016, HD Video, Farbe, Stereo Sound - film still

Bitte beachten Sie, dass diese Ausstellung bei Esther Schipper, Schöneberger Ufer 65 gezeigt wird.

Esther Schipper präsentiert mit The Connectivity Suite (and other places) Ryan Ganders erste Einzelausstellung in der Galerie, nachdem 2011 die Johnen Galerie Werke des Künstlers zeigte. In der Ausstellung The Connectivity Suite (and other places) werden neue Arbeiten gezeigt, darunter ein Architektureingriff, ein Film, Skulpturen, eine Performance, sowie ein Duft.

Ryan Ganders Vielfalt in Bezug auf Material, Form und Stil eint sich sowohl durch seine konzeptionelle Vision als auch durch wiederkehrende Motive, die sich auf Kreativität, auf das Wesen der Kunst und auf das Leben eines Künstlers beziehen. In seinem Werk erzeugt er fiktive Räume, indem er auf abwesende Gegenstände, Kunstwerke und Personen verweist, reale ebenso wie erdachte. Das Andeuten von Fehlendem durch Namen oder Spuren und Anzeichen regt auf geistreiche, lyrische Weise die Vorstellungskraft an. Häufig bezieht sich Gander auf die Verspieltheit und Fantasie von Kindern, die freier von Tatsachen und äußerem Schein sind als Erwachsene. Seine subtilen, schwer zu definierenden Werke ermuntern den Betrachter, neue Räume zu erkunden (die manchmal bewusst versteckt oder nicht zugänglich sind) und sich dabei den vielen Zweideutigkeiten dessen zu stellen, was ein Kunstwerk ausmachen kann.

Dies zeigt sich etwa an Ganders bekanntestem, aber weitgehend unsichtbarem Werk für die dOCUMENTA (13), I Need Some Meaning I Can Memorise (The Invisible Pull) (2012). Der Künstler beschreibt es als „sanfte Brise, die den Betrachter durch den Galerieraum zieht.“ Um dieses subtile und dennoch sehr eindrucksvolle Werk zu schaffen, änderte Gander mit einem aufwendigen, aber für Besucher versteckten System, die Luftströme im sonst leeren Raum. Im Park Karlsaue fand sich sein Werk Escape hatch to Culturefield, einem leicht zu übersehenden Schachtdeckel der Stadtentwässerung nachempfunden – eine Anspielung auf Ganders Vision eines perfekt für Recherche und künstlerisches Schaffen geeigneten Fantasieortes.

Mit The Connectivity Suite (and other places) setzt sich Gander weiter mit dem Wesen der Kreativität auseinander. In einem Raum der Galerie bedeckt ein dünner Faltenvorhang die Wände. Ein kräftiger Luftstrom aus einer großen Belüftungsöffnung vermittelt den Anschein eines unsichtbaren Raums, indem er einen Teil des Vorhangs bauscht und ständig in Bewegung hält. Die Arbeit The Connectivity Suite, verleiht der Ausstellung ihren Namen und ist den Schildern nachempfunden, die man im Foyer von Bürogebäuden findet und auf denen die dort ansässigen Unternehmen angegeben werden. Statt Firmennamen und Büronummern sind auf Ganders großer, von hinten beleuchteter Tafel Ideen, Notizen, Motive und Themen aus dem Notizbuch des Künstlers aufgeführt, die sich auf Recherche und die Entwicklung neuer Kunstwerke beziehen. Der zweite Teil des Ausstellungstitels stammt von der neuen Marmorskulptur Other Places: ein Paar UGG-Boots und eine Jeans-Shorts, die eine unbekannte Besucherin hinterlassen hat. Ganders idealisierter Kreativitätsort „Culturefield“ taucht in Elevator to Culturefield auf, aufwendig gestalteten Aufzugtüren mit einem goldfarben, skulpturalen Metallrelief. Es zeigt ein klassizistisches Gebäude, das hinter Wolken zum Vorschein kommt – eine Anspielung an Ganders nicht realisiertes Projekt einer privaten Kunstschule. Der Aufzug ist nahtlos in die Wand eingepasst und erweckt den Eindruck, er würde tatsächlich funktionieren.

Im angrenzenden Raum wird ein neuer Film mit dem Titel A portrait of a colour blind artist obscured by flowers gezeigt. Der Film scheint den Künstler bei der Arbeit in seinem Atelier zu zeigen. Ähnlich wie The Connectivity Suite verheißt er Einblicke in Ganders Schaffensprozesse, doch immer wieder vereitelt der Film den interessierten Blick des Zuschauers: In jeder Einstellung wird das Gesicht des Protagonisten geschickt von einer Blumenvase verdeckt. Daneben werden zwei Werke gezeigt, die sich auf idealisierte Fantasieorte des Schaffens beziehen: Echo from Culturefield, scheinbar von einem Galerieschild hinterlassene Spuren, und The Day To Day Accumulation Of Hope, Failure And Ecstasy – Better A Productive Failure Than An Unproductive Success (The Fairfield International), eine weitere Skulptur mit Bezug zu Ganders Projekt einer privaten Kunstschule.

Ryan Gander wurde 1976 in Chester in Großbritannien geboren. Er studierte an der Manchester Metropolitan University, der Jan van Eyck Akademie in Maastricht und an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Der Künstler lebt und arbeitet in London und Suffolk.

Werke von Ryan Gander waren 2012 bei der dOCUMENTA (13), bei der 54. Kunstausstellung der Biennale von Venedig und bei der 9. Shanghai Biennale zu sehen. Seine Arbeiten sind unter anderem Teil der Sammlung folgender Museen: Tate Modern, London; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien; Carnegie Museum of Art, Pittsburgh; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam; Tate Collection, London, und Arts Council Collection, London.

Der Künstler hatte zahlreiche Einzelausstellungen, wie etwa: To stand amongst the elements and to interpret what one knows wird im Museum Dhondt-Dhaenes, Deurle, eröffnet (2016); Make every show like it’s your last, Musee d’art contemporain de Montreal (2016); Aspen Art Museum, Aspen (2015); Contemporary Art Gallery, Vancouver (2015), Manchester City Art Gallery (2014) (Wanderausstellung); Portrait of a blind artist obscured by owers, Singapore Tyler Print Institute, Singapur (2015); Esperluette, Palais de Tokyo, Paris (2013); Boing, Boing, Squirt, Museu Tamayo Arte Contemporáneo, Mexico-Stadt (2012); und Intervals: Ryan Gander, Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2010).

Einige Gruppenausstellungen der letzten Jahre: Art as a Verb, Monash University Museum of Art, Melbourne (2015); When I Give, I Give Myself, Van Gogh Museum, Amsterdam (2015); The Peace One Day Art Project for 2014, ICA, London (2014); Blue Times, Kunsthalle Wien (2014); Postscript: Writing After Conceptual Art, The Power Plant Contemporary Art Gallery, Toronto (2013) und When Attitudes Became Form Become Attitudes, CCA Wattis, San Francisco (2012).

Für Presseanfragen kontaktieren Sie bitte David Ulrichs Tel: +49 (0) 176 50 33 01 35 oder david@davidulrichs.com