Jiří Kovanda: Jan Merta, Jiří Kovanda

27. Januar – 24. Februar 2007

  • Jan Merta, Dunkler Sturm, 2004-2007, Acryl auf Leinwand - acryl on canvas.  240 x 200 cm - 94.5 x 78.7 in..
  • Jan Merta, Aus dem Klubraum III, 2005-2006, Öl auf Leinwand - oil on canvas.  45 x 55 cm - 17.7 x 21.6 in..
  • Jan Merta, Kovanda 1991, 2007, Öl auf Leinwand - oil on canvas. 55,5 x 45,5 cm - 21.8 x 18 in..
  • Jan Merta, Roter Slum, 2002-2006, Öl auf Leinwand - oil on canvas. 195 x 361 cm - 76.7 x 142 in..
  • Jan Merta, Slum, 1999-2006, Öl auf Leinwand - oil on canvas. 220 x 120 cm - 86.6 x 47.2 in..
  • Jan Merta, Die Sonne in den Fenstern, 1999-2007, Acryl auf Leinwand - acryl on canvas. 275 x 200 cm - 108 x 78.7 in..
  • Jan Merta, Kleines Wochenendhausbild, 2004-2006, Acryl auf Leinwand - acryl on canvas. 90 x 110 cm - 35.4 x 43.3 in..
  • Jan Merta, Wolke, 2006-2007, Acryl auf Leinwand - acryl on canvas. 2-teilig - 2 parts. 300 x 391 cm - 118 x 154 in..
  • Ausstellungsansicht - exhibition view
  • Ausstellungsansicht - exhibition view
  • Jiri Kovanda, In the Name of Tradition, 1994, Öl auf Holz - oil on wood. 55 x 33 x 4 cm - 22 x 13 x 1.6 in..
  • Jiri Kovanda, untitled, 1993, Readymade, Holz - wood.  53 x 28 x 10 cm - 21 x 11 x 4 in..
  • Jiri Kovanda, Diptych II, 1996, Dispersion auf ungrundierter Leinwand - dispersion on untreated canvas. 2-teilig, je 25 x 25 cm - 2 parts, each 10 x 10 in..
  • Jiri Kovanda, untitled, 1992, Holz, Glas, Draht, Kunststoff - wood, glas, wire, plastic. 27 x 22 x 3 cm - 10 x 8.5 x 1.2 in..
  • Jiri Kovanda, untitled, 1992, Holz, Glas, Kunststoffseil - wood, glas, plastic wire. 27 x 22 x 3 cm - 10 x 8.5 x 1.2 in..
  • Jiri Kovanda, Artia II, 1992, Holz, Metall - wood, metal. 20 x 20 x 8 cm - 7.9 x 7.9 x 3 in..

 

Jan Mertas Werk wird, bei aller Vielfältigkeit, von einer Zurückhaltung und Konzentration geeint, welche die Bilder einer klaren stilistischen Einordnung entziehen. Gerade durch die stille Originalität und Eigenständigkeit seiner Arbeiten zählt der 1952 in Sumperk, Tschechische Republik, geborene Maler inzwischen zu den international renommiertesten tschechischen Künstlern seiner Generation.

Merta zeigt seine einfachen Motive stilisiert, fast zeichenhaft, wodurch die maltechnische Umsetzung in den Vordergrund rückt. Hier beherrscht er souverän sowohl die verschiedenen Leinwandformate, als auch das Spiel zwischen flächigem Farbauftrag mit so präzisem wie leichtem Pinselstrich und transparenter Vielschichtigkeit. Die von Gegenständlichkeit ausgehende Malerei scheint sich immer wieder in Abstraktion aufzulösen. Auf dem großformatigen Bild "Roter Slum", welches eine dicht bebaute Siedlung zeigt, erscheinen Hausfassaden oder reflektierende Fensterflächen als in einem Rhythmus wiederkehrende Farbflecken auf der Leinwand, wo hingegen sich auf anderen Bildern der Rand einer abstrakt erscheinenden Fläche als realitätsgetreue Wiedergabe eines Gegenstands entpuppen kann. Merta interessiert sich nie alleine für die isolierte Darstellung der Objekte, sondern immer auch für deren Beziehung zu ihrem Umfeld. In den von Merta geschaffenen Bildräumen verschmelzen die Motive mit dem Hintergrund, die Bildebenen sind nie klar getrennt, sondern durchdringen sich. Dies resultiert nicht alleine aus einer Vereinfachung, sondern auch aus Mertas Wahl des Ausschnitts oder des Blickwinkels. Wie in Vexierbildern wechseln die Bildschichten im Auge des Betrachters ihre Position. Mal dominiert das Motiv, dann wieder scheint es vom Hintergrund absorbiert zu werden. Die Entscheidung, was man sieht, wird zunächst verwehrt bzw. kann ohne weitere Informationen nicht getroffen werden. Der Betrachter benötigt eine gewisse Zeit, das, spontan verborgene, Thema des Bildes zu erfassen, oft erschließt sich dieses erst durch den Titel der Arbeit.

So scheint Merta mit seiner Kunst vor allem der Frage nachzugehen, wie deren Umgebung und der spezielle Blick auf die Dinge diese formt. Die Möglichkeit, seine Motive inhaltlich explizit aufzuladen und als emblematisch für etwas stehend zu interpretieren, stellt Merta zugunsten der Möglichkeit zurück, damit Raum für etwas allgemeineres, zwischen Maler und Betrachter entstehendes zu schaffen, dass sich nicht detailliert abbilden lässt.

Jiří Kovanda, geboren 1953, ist wie Jan Merta Tscheche und lebt in Prag. Die Entdeckung des lange Zeit international kaum rezipierten Konzeptkünstlers gipfelt bisher in seiner jüngst bekannt gegebenen Teilnahme an der diesjährigen Documenta. Ungeachtet dessen hatte Kovanda bereits mit seinen ersten Performances, also seit Beginn seiner künstlerischen Praxis Mitte der 70er Jahre, im eigenen Land erheblichen Einfluss auf die tschechische Kunstszene. Kovandas stark konzeptualistische, künstlerische Äußerungen sind gerade noch als solche zu erkennen und bewegen sich an der Grenze zum Unsichtbaren, er ist fasziniert vom Flüchtigen. Sein Werk findet eine deästhetisierte Form, dessen Stärke auf einer substanziellen Gewöhnlichkeit beruht. Kovanda entmythologisiert die Figur des Künstlers und befreit den kreativen Schaffensprozess von festgefahrenen, automatisierten Praktiken. Die am Anfang seines Werkes stehenden Performances folgen knappen Aktionsanweisungen und sind wenig mehr als kaum wahrnehmbare Eingriffe in alltägliche Verhaltensnormen. Später überträgt er diese Form des Minimalismus auf die Welt der Dinge. Seine Holzobjekte loten die Frage danach aus, welche Bedingungen einen Gegenstand zu einem Kunstwerk machen und ihn von einem gewöhnlichen Alltagsobjekt unterscheiden. Eine Gruppe dieser Arbeiten sind Ready-mades, beispielsweise Möbelteile, die Kovanda gefunden und nur minimal bearbeitet hat. Seine Leinwände zeigen im Grunde keine Malerei, sondern deren Zitat. Nach dem Prinzip der Collage kombiniert er aus ihrem Kontext entnommene Materialien und Informationen zu Artefakten mit rätselhaften, oft humorvollen Aussagen. Eben durch die Klarheit und Einfachheit seiner Eingriffe bezieht Kovanda sich unmissverständlich auf Ikonen der Moderne oder des Minimalismus. Eher mit liebevollem Interesse als mit Ironie wählt Kovanda gegenüber diesen kunsthistorischen Positionen einen Standpunkt zwischen Zitat und Distanz. Seine Objekte können durchaus als eine Übersetzung dieser Referenzen in eine zeitgenössische Sprache bzw. deren Befragung auf aktuelle Relevanz verstanden werden.