Jeff Wall : Jeff Wall

27. April – 26. Mai 2007

  • Hotels, Carrall St., Vancouver, 2006, Transparency in light-box, Edition of 3. 249 x 312 x 26,5 cm  - 98 x 122.8 x 10.4 in.(light-box), 230 x 293 cm - 90.6 x 115.4 in.(image). Edition 3
  • Shop window, Rome, 2006, Transparency in light-box.  51 x 70 x 14 cm - 20.1 x 27.6 x 5.5 in. (light-box), 37 x 56 cm - 14.6 x 22 in. (image). Edition 8/8
  • Shop window, Rome, 2006, Transparency in light-box.  51 x 70 x 14 cm - 20.1 x 27.6 x 5.5 in. (light-box), 37 x 56 cm - 14.6 x 22 in. (image). Edition 8/8
  • Ausstellungsansicht - installation view
  • Church, Carolina St., Vancouver, 2006, Transparency in light-box. 219 x 267 x 25,8 cm - 86.2 x 105.1 x 10.2 in.. Edition 3
  • Blind Window 1, 2000, Großbilddia in Leuchtkasten - Transparency in Lightbox.  109 x 133 cm - 43 x 52.5 in.. Edition 5/5 + 2 A.P.
  • Blind Window 1, 2000, Großbilddia in Leuchtkasten - Transparency in Lightbox.  109 x 133 cm - 43 x 52.5 in.. Edition 5/5 + 2 A.P.

Zum Berliner Sammlerwochenende 2007 (27.04. – 30.04.) eröffnet die Johnen Galerie am Freitag, den 27.04.2007 eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Jeff Wall. Die gezeigten Werke knüpfen konzeptuell und chronologisch an die derzeit noch laufende Retrospektive am New Yorker MoMA sowie an die umfangreiche Präsentation von Arbeiten Jeff Walls im Basler Schaulager 2005 an.

Jeff Wall gehört zu den weltweit bekanntesten und profiliertesten Künstlern zeitgenössischer Fotografie, die Bedeutung seines Werks nimmt innerhalb des Genres eine singuläre Stellung ein. In seinen Arbeiten nimmt Jeff Wall eine differenzierte Analyse unserer Alltagswirklichkeit sowie der Mechanismen unserer Wirklichkeitswahrnehmung vor. Sie sind angesiedelt im Bereich zwischen Dokumentation und Imagination, sie entfalten in der äußerst differenzierten Konstruktion ihrer Motive eine Sicht auf die Wirklichkeit, die von genauer Beobachtung zeugt und gleichzeitig große erzählerische Dichte aufweist. Insofern kommt es letztendlich nicht darauf an, ob eine dem Bild zugrunde liegende Szenerie so vom Künstler vorab gesehen worden ist, ob er sie aus verschiedenen Fragmenten seiner Beobachtung von Wirklichkeit kombiniert hat oder ob sie gänzlich erfunden ist. Die Differenzierung zwischen Imagination und Beobachtung wird obsolet, umfasst sein Werk doch Bilder von erstaunlichem und beinahe irrealem Charakter ebenso wie solche, deren Dramaturgie ganz beiläufig und unspektakulär erscheint. Hinter all diesen Szenarien, Orten und Ereignissen scheint aber stets etwas über die unmittelbare Anschauung Hinausgehendes zu stecken, ein persönlicher Bezug oder ein spezielles Erlebnis. Etwas Rätselhaftes vermittelt sich, ohne dass der Betrachter auszudrücken vermöchte, worin dieses Rätsel besteht beziehungsweise wodurch es zum Ausdruck kommt. Jeff Wall schafft mit den Mitteln der Fotografie, die seit jeher den Reiz der Verfremdung beinhaltet und den Maßnahmen der Bearbeitung unterlag, ein Bild der Wirklichkeit, dessen Überzeugungskraft unmittelbar ist und dessen sublime Faszination den Betrachter bannt.

Zwei der Aufnahmen der Ausstellung in der Johnen Galerie sind in der kanadischen Heimat Jeff Walls in und um Vancouver entstanden, ein Motiv stammt von einer Reise nach Rom. Eine kleine, saubere Holzkirche an einer nordamerikanischen Vorort-Straßenkreuzung, die Straßenfront einiger Hotels unweit der Innenstadt, von deren Fassaden eine gerade renoviert wird, ein Schaufenster, dessen Auslagen seltsam anachronistisch, mindestens verstaubt konservativ anmuten. Die Motive sind in ihrer Wiedergabe ausgewogen und präzise komponiert, dabei von schlichter Alltäglichkeit. Gerade der Verzicht auf die augenscheinliche Manipulation der Aufnahmen sowie deren sensible Kombination verleiht dieser Gruppe von Arbeiten eine hintergründige Spannung. Indem sie keine Spuren der Bearbeitung zeigen und auf die Reize der Verfremdung verzichten, wandeln sich die Motive in dieser Konstellation zu Emblemen von allgemeinerer, fast archetypischer Gültigkeit. Authentische Abbildungen der Wirklichkeit werden zu aus dem kollektiven Bildgedächtnis heraus entwickelte Konstruktionen, zu Chiffren für Religion, Konsum, Reisen, aus beruflichen Gründen oder zur Bildung, Orte oder Anlässe gesellschaftlicher Zusammenkünfte, Synonyme der Grundfesten abendländischer Kultur und, angesichts der anhaltenden Auflösung der überkommenen Weltordnung, den Verlust dieser bürgerlichen Sicherheiten.

Der Ausstellung in der Johnen Galerie, die bis zum 26.05.2007 zu sehen ist, wird im Oktober 2007 von einer Einzelausstellung Jeff Walls in der Deutschen Guggenheim Berlin gefolgt.

Diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit Galerie Rüdiger Schöttle München.